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05. Aug 2020 | Politik

Anwerbung ausländischer Pflegekräfte stockt

Wegen der Coronakrise verzögert sich die Anwerbung internationaler Kräfte, die über eine Initiative der Bundesregierung gewonnen werden sollen.

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte die Initiative zur Gewinnung internationaler Pflegekräfte im vergangenen Jahr gestartet. Foto: BMG

Im Sommer vor einem Jahr hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Initiativen zur Gewinnung von Pflegekräften im Kosovo, auf den Philippinen und in Mexiko gestartet. Aufgrund der Pandemie seien die Maßnahmen zur Anwerbung auf den Philippinen und in Mexiko derzeit auf unbestimmte Zeit unterbrochen, teilte das Gesundheitsministerium auf Anfrage mit. "Ursprünglich war ab dem zweiten Quartal 2020 die Einreise der ersten zusätzlich angeworbenen Pflegefachkräfte vorgesehen."

Eine Einreise aus dem Kosovo und weiteren Westbalkan-Staaten nach Deutschland sei auch aktuell grundsätzlich möglich. Amtliche Zahlen über die Zuwanderung von Pflegefachkräften aus den drei genannten Ländern gibt es nach Ministeriumsangaben für 2019 und 2020 aber noch nicht.

In der Pflege arbeiten laut Bundesagentur für Arbeit rund 1,7 Millionen Menschen, fast 40.000 Stellen sind aber unbesetzt. In der Altenpflege dauere es 205 Tage, um eine freie Stelle mit einer Fachkraft zu besetzen, in der Krankenpflege 174 Tage. Zudem gehe etwa 40 Prozent des heutigen Fachpersonals in den nächsten zehn bis zwölf Jahren in Rente, sagte Peter Tackenberg, der stellvertretende Geschäftsführer des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe unter Berufung auf Auswertungen der Pflegeberufekammern. "Die Lage ist weiterhin sehr angespannt. Der Arbeitsmarkt ist quasi leergefegt."

Spahn darum im vergangenen Jahr seine zusätzliche Initiative gestartet. Eine neue Fachkräfteagentur Defa wurde gegründet, um Pflegefachkräfte schneller nach Deutschland zu holen. Die Agentur mit Sitz in Saarbrücken kümmert sich um Visaanträge, die Anerkennung von Berufserlaubnissen, Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse.

Wie Spahns Ministerium nun mitteilte, hat die Defa inzwischen für mehr als 1.300 Pflegefachkräfte - vor allem von den Philippinen und aus Mexiko - entsprechende Vereinbarungen abgeschlossen. Weitere Vereinbarungen befänden sich in Vorbereitung. Nach dem Ende der Pandemie solle eine größere Zahl von internationalen Pflegefachkräften «zeitnah nach Deutschland einreisen und zügig eine Tätigkeit als Pflegefachkraft aufnehmen» können, hieß es weiter.

Nach Ansicht des Pflegeberufe-Verbandes müsste an anderer Stelle angesetzt werden: "Wir haben nicht einen Mangel an Pflegefachpersonen in Deutschland, sondern einen Mangel an Pflegefachpersonen, die in der Pflege arbeiten wollen", sagte Tackenberg. Zehntausende hätten den Beruf frustriert verlassen und wären wieder zurückzugewinnen, wenn sich Arbeitsbedingungen und Belastung spürbar verbesserten. Er nannte die Schaffung von deutlich mehr Stellen, bessere Bezahlung und eine bessere Organisation der pflegerischen Arbeit. (dpa)

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