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08. Mai 2017 | Unternehmen

Wesemann: "Gesetzgeber hat das Personalproblem in der Pflege nicht angepackt!"

Mit dem Pflegestärkungsgesetz ist das größte Problem der Pflegewirtschaft nicht angepackt, sondern nur vertagt worden. Für die direkte Pflege am Menschen fehlt in den Einrichtungen jetzt schon die Zeit. Wilfried Wesemann, Geschäftsführer der Pflegeangebote des Evangelischen Johannesstifts (Berlin) kritisiert den Gesetzgeber: "Die Personalschlüssel orientieren sich nicht an dem tatsächlichen Bedarf der Pflegebedürftigen." Das Johannesstift werde sich am Freitag, dem Internationalen Tag der Pflege, an den bundesweiten Aktionen der Diakonie für bessere Arbeitsbedingungen beteiligen.

Wilfried Wesemann: "Wir müssen alles unternehmen, damit den Fachkräften mehr Zeit für die direkte Pflege am Menschen bleibt."Foto: Evangelisches Johannesstift

"Das Personal ist massiv überlastet", sagte Wilfried Wesemann, Geschäftsführer der Pflegeangebote des Evangelischen Johannesstifts (Berlin), im epd-Gespräch. "Wir müssen alles unternehmen, damit den Fachkräften mehr Zeit für die direkte Pflege am Menschen bleibt." Laut Wesemann muss eine Pflegekraft in einer Schicht etwa zehn Heimbewohner betreuen und pflegen. Die Anforderungen an die Beschäftigten seien dabei so hoch, dass es ihnen in der Regel nicht gelinge, die noch vorhandenen Fähigkeiten der Pflegebedürftigen ausreichend zu fördern. "Mit den derzeitigen Personalschlüsseln ist dieses Ziel nicht zu erreichen", kritisierte Wesemann. Die Altenhilfe des Johannesstifts betreut mit 1.400 Beschäftigten rund 2.250 Kunden ambulant und stationär.

Die Verweildauer in den stationären Einrichtungen habe sich in den letzten Jahren zunehmend verkürzt, weil die Menschen erst dann in ein Pflegeheim zögen, wenn die Versorgung zu Hause nicht mehr möglich sei. "Das ist auch gut, denn viele ältere Menschen wollen so lange wie möglich die Häuslichkeit genießen. Allerdings verändert sich dadurch die Arbeit in der stationären Pflege", sagte Wesemann. Untersuchungen zeigten, dass innerhalb des ersten Jahres nach Heimaufnahme 40 bis 45 Prozent der Bewohner sterben. "Diese Zahl macht den hohen Bedarf an palliativer Pflege in den Heimen deutlich. Hinzu kommt ein hoher Anteil an Menschen mit einer demenziellen Erkrankung", sagte der Altenhilfeexperte.

Wesemann kritisierte den Gesetzgeber: "Die Personalschlüssel orientieren sich nicht an dem tatsächlichen Bedarf der Pflegebedürftigen." Bei der zum Jahresanfang in Kraft getretenen Pflegereform sei dieses Problem nicht angepackt, sondern vertagt worden. Verschärfend komme hinzu, dass in den Bundesländern unterschiedliche Personalschlüssel gälten. "In Baden-Württemberg können in einer Einrichtung mit 100 vollstationären Plätzen sieben Vollzeitstellen mehr als in Brandenburg besetzt werden", erklärte Wesemann. 

Um das benötigte Personal für den Pflegeberuf zu gewinnen, müsse die Attraktivität des Berufs gesteigert werden. "Wir müssen unseren Mitarbeitenden den Rücken stärken, damit sie ihre Freude und Begeisterung für den Beruf täglich leben können", sagte er. Andernfalls werde sich die Schere zwischen der Zunahme der Menschen mit Pflegebedarf und einer sinkenden Zahl professionellen Helfenden weiter öffnen.

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