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02. Dez 2021 | Politik

Report: Immer mehr Pflegebedürftige, zu wenige Fachkräfte

Neue Prognosen des Barmer Pflegereport zeigen, dass es in knapp zehn Jahren rund eine Million mehr pflegebedürftige Menschen geben wird als bisher berechnet. Verbände warnen vor einer Zuspitzung des Pflegenotstands.

Der Bremer Pflegeökonomen Heinz Rothgang
Der Bremer Pflegeökonom Heinz Rothgang: Heimbewohnerinnen und -bewohner sind durch die Eigenanteile heute schon „bis zum Anschlag“ belastet.
Foto: Socium

Die Zahl der künftigen Pflegebedürftigen in Deutschland wird noch unterschätzt. Aus dem Pflegereport 2021 der Barmer Krankenkasse geht hervor, dass es einer neuen Prognose zufolge im Jahr 2030 rund sechs Millionen pflegebedürftige Menschen geben wird und damit etwa eine Million mehr als bisher angenommen.

Um die Menschen zu versorgen, sind dem Barmer-Report zufolge gegenüber heute mehr als 180.000 zusätzliche Pflegekräfte nötig. Die jährlichen Ausgaben der Pflegeversicherung werden von derzeit 49 Milliarden Euro im Jahr bis 2030 auf 59 Milliarden Euro steigen. Der Vorstandsvorsitzende der Barmer, Christoph Straub, sprach von einem „alarmierenden Zukunftstrend“.

Die Berechnungen stammen von dem Bremer Pflegeökonomen Heinz Rothgang. Seinen Angaben zufolge wird die Zunahme an pflegebedürftigen Menschen bisher unterschätzt, weil in den Prognosen von einem jedes Jahr etwa gleich hohen Anstieg an Pflegebedürftigen ausgegangen wird. Tatsächlich sei aber zu sehen, dass der Anstieg in den vergangenen Jahren stets höher ausgefallen sei als im Vorjahr, erklärte der Wissenschaftler.

Derzeit gibt es rund 4,5 Millionen Pflegebedürftige. Der Großteil der Menschen wird bisher und wird auch weiterhin von Angehörigen gepflegt werden. Der Anstieg ist mit rund 630.000 zusätzlichen Pflegebedürftigen bis 2030 daher in dieser Gruppe am höchsten. Zusätzlich werden Rothgang zufolge voraussichtlich insgesamt eine Million Pflegebedürftige in Einrichtungen und rund 1,2 Millionen von ambulanten Pflegediensten versorgt werden. Dazu sind den Berechnungen zufolge 2030 rund 81.000 Pflegefachkräfte, 87.000 Pflegehilfskräfte und etwa 14.000 zusätzliche angelernte Kräfte nötig.

Rothgang sagte, das „zentrale Zukunftsproblem“ sei die Versorgung der pflegebedürftigen Menschen. Es müsse gelingen, mehr Pflegekräfte auszubilden und die bereits beschäftigten Fach- und Hilfskräfte im Beruf zu halten. Er warb eindringlich dafür, die Vorgaben für neue Personalschlüssel konsequent umzusetzen. Die künftige Ampel-Koalition hat dies nur für die ersten Schritte vereinbart. Die zusätzlichen Stellen müssten besetzt werden, sagte Rothgang, damit sich die Arbeitsbedingungen verbesserten. Eine bessere Bezahlung und mehr Personal werde aber auch die Kosten erhöhen, weshalb die Eigenanteile der Heimbewohnerinnen und -bewohner gedeckelt werden müssten, da diese heute schon „bis zum Anschlag“ belastet seien, sagte Rothgang.

Der Arbeitgeberverband Pflege AGVP fordert vor dem Hintergrund mehr Anerkennung für private Pflegeunternehmen und die Förderung privater Investitionen.

„Private Unternehmen machen Altenpflege in Deutschland überhaupt möglich. Ohne sie würde die Altenpflege in Deutschland zusammenbrechen“, sagt AGVP-Geschäftsführerin Isabell Halletz. Knapp 3.500 stationäre Einrichtungen mit 226.671 Plätzen hätten sie allein in den vergangenen zehn Jahren gebaut. „Die privaten Pflegeunternehmen brauchen endlich die Anerkennung und Förderung ihrer Investitionen, die in der Zukunft dringend benötigt werden“, so Halletz. Nur so sei eine moderne Pflegelandschaft möglich, die die Wünsche und Bedarfe der Pflegebedürftigen berücksichtige.

Der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste BPA, Bernd Meurer, fordert einen Ausbau der Schulkapazitäten und Vereinfachung von Zuwanderung, um die pflegerische Versorgung zu sichern. „Die Lage in der Pflege ist dramatisch und spitzt sich weiter zu“, so Meurer.

Selbst wenn die Pflegebereitschaft in den Familien steige, brauche es kurzfristig 180.000 zusätzliche Kräfte. „Deutlich vereinfachte und wesentlich beschleunigte Zuwanderung internationaler Kräfte sowie kurzfristig mehr Lehrkräfte und flexiblere bessere Rahmenbedingungen für die Pflegeschulen, um mehr ausbilden zu können, sind die zentralen Schlüssel“, sagt der BPA-Präsident und verweist ebenfalls auf die zentrale Rolle der privaten Unternehmen: „Wieder einmal wird massiv privates Kapital und privatwirtschaftliches Engagement in der Pflege gebraucht. Die Politik muss privates Unternehmertum in der Pflege durch eine faire Berücksichtigung von Wagnis und Gewinn ermöglichen.“ (mit epd)

Ein PDF des Barmer Pflegereport zum Download finden Sie hier.

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