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Evangelische Bank steuert um und verschlankt die Organisation

Thomas Katzenmayer, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Bank, berichtete in Kassel von einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2016 für die Kirchenbank – trotz schwieriger Rahmenbedingungen. Um die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen, startet die Bank das Projekt "Die Zukunftsbank – EB Pro 5.0": die interne Organisation soll verschlankt, Arbeitsabläufe vor dem Hintergrund der Digitalisierung optimiert werden. Bis zum Jahr 2021 sollen in diesem Zusammenhang etwa 100 Vollzeitstellen abgebaut werden.

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Laut Thomas Katzenmayer war das Geschäftsjahr 2016 der Evangelischen Bank "trotz äußerst schwieriger Rahmenbedingungen erfolgreich". Der Jahresüberschuss liegt bei 10,10 Mio. Euro (Vorjahr: 10,02 Mio. Euro). Damit würden die Rücklagen der Bank im Sinne einer nachhaltigen, soliden Geschäftspolitik weiter gestärkt. Der Zinsüberschuss liegt 3,2% (2,5 Mio. Euro) über dem Vorjahresergebnis. Ursächlich hierfür sind die um 22,9% (19,7 Mio. Euro) gesunkenen Zinsaufwendungen und die um 11,0% (17,7 Mio. Euro) gesunkenen Zinserträge. Das Provisionsgeschäft hat sich weiterhin sehr gut entwickelt. Der bemerkenswerte Anstieg auf 20,5 Mio. Euro (Vorjahr: 18,8 Mio. Euro) resultiert im Wesentlichen aus dem Wertpapier- und Vermögensverwaltungsgeschäft. Die Bilanzsumme der Evangelischen Bank ist im Vergleich zum Vorjahr mit 7,1 Mrd. Euro nahezu unverändert.

Eigenkapitalausstattung übertrifft die regulatorischen Anforderungen: Die von der Evangelischen Bank eingeleiteten Maßnahmen zur qualitativen Stärkung des Eigenkapitals waren erfolgreich.Zum Bilanzstichtag wies die Bank eine Gesamtkapitalquote von 14,1% bei einem Mindestwert von 8,6% aus.

Christian Ferchland, zuständiges Vorstandsmitglied für das institutionelle Kundengeschäft, führte im Pressegespräch aus: "Im vergangenen Jahr haben wir das Kreditgeschäft mit unseren Zielkunden weiter ausgebaut und intensiviert. Die Forderungen an Kunden erhöhten sich um 1,0% auf insgesamt 3,9 Mrd. Euro, wovon 84% auf das Geschäft mit unseren institutionellen Kunden und 16% auf das Privatkundengeschäft entfielen." Sehr zufrieden zeigte sich Ferchland mit der Entwicklung der offenen Kreditzusagen. Sie stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 52,2 Mio. Euro auf nunmehr erstmals über 1 Mrd. Euro. Insgesamt hat die Evangelische Bank knapp 650 Mio. Euro an neuen Krediten zur Finanzierung von Einrichtungen der Kunden aus der Gesundheits- und Sozialwirtschaft vergeben.

Katzenmayer: "Wir sowie die gesamte Finanzwirtschaft stehen unter enormem Druck und vor außergewöhnlichen Herausforderungen. Geldpolitische, regulatorische sowie gesell-schaftliche Entwicklungen haben einen enormen Einfluss auf unser Geschäft. Die Auswirkungen werden stetig spürbarer. Vor diesem Hintergrund ist unser Jahresergebnis besonders positiv zu bewerten. Aber wir werden uns verändern müssen, um auch weiterhin erfolgreich am Markt bestehen zu können."

Vor allem sei es das geänderte Verhalten der Kunden, auf das man jetzt mit den richtigen Antworten reagieren müsse. Dieses beruhe auf einem fundamentalen gesellschaftlichen Wandel: der Digitalisierung. "Die digitale Revolution verändert Alltag, Arbeitswelt und unser soziales Miteinander. Telefonservice, Online-Banking per Internet und mobiles Banking erobern immer größere Marktanteile. Die Digitalisierung des Bankings schreitet rasant voran. Auf diese umfassenden Änderungen müssen wir uns einstellen, auch kulturell", führte der Vorstandsvorsitzende aus. Es gelte, die Kunden beim digitalen Wandel zu begleiten. Das Zusammenwirken mit weiteren Trends verschärfe die Situation zusätzlich. Exemplarisch für die Rahmenbedingungen, die das Geschäft enorm belasteten, nannte der Vorstandsvorsitzende das Niedrigzinsumfeld, das die Ertragskraft auf eine harte Probe stelle, die zunehmende Regulatorik, die demographische Entwicklung in Deutschland sowie den steigenden Wettbewerb (Stichwort FinTechs).

In der Evangelischen Bank stelle man sich diesen Herausforderungen mit strategischen Projekten, die unter dem Namen Die Zukunftsbank – EB Pro 5.0 subsumiert werden. Die Projekte befassen sich mit den Themen "Standortkonzeption" , "EB Direkt / Servicebank", "Digitalisierung" und "Customer Relationship Management". "Diese Projekte sind eng miteinander verzahnt, aufeinander abgestimmt und bilden unseren Weg in eine weiterhin erfolgreiche Zukunft der Evangelischen Bank", erläuterte Katzenmayer. "Wir denken vom Kunden zum Kunden. Wir stellen uns aus einer Position der Stärke proaktiv den neuen Anforderungen und Ansprüchen der Kunden und richten unsere Strategie gezielt danach aus", so Katzenmayer.

In diesem Kontext sehe sich die größte Kirchenbank Deutschlands veranlasst, ihre internen Strukturen so anzupassen, dass die Bank insgesamt effizienter wird, die interne Organisation verschlankt wird sowie Arbeitsabläufe vor dem Hintergrund der Digitalisierung optimiert werden. Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2016 ein umfassender Interessenausgleich/Sozialplan verabschiedet. Katzenmayer: "Die komplexen Rahmenbedingungen fordern von uns zukunftsfähige Strategien, die wiederum zu unvermeidbaren Personalabbaumaßnahmen führen werden." Konkret heißt das, dass die Evangelische Bank bis zum Jahr 2021 etwa 100 Vollzeitstellen abbauen wird.