Digitalisierung
Wie Künstliche Intelligenz die Pflegebranche entlasten kann
Der Einsatz von KI eröffnet den Unternehmen bei der Suche nach Personal jede Menge Chancen.
(Grafk: Für größere Ansicht hier klicken) Die deutsche Pflegewirtschaft steht vor immensen Herausforderungen: Der Fachkräftemangel spitzt sich zu, und der Wettbewerb um qualifiziertes Personal wird immer intensiver. Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes steigt der Bedarf an Pflegekräften von noch 1,62 Millionen Pflegekräften im Jahr 2019 auf 2,15 Millionen Pflegekräfte im Jahr 2049. Dabei entsteht aufgrund der stärkeren Zunahme an Pflegebedürftigen bei Pflege- und Betreuungsdiensten sowie in den Pflege-, Alten- und Behindertenheimen ein höherer Mehrbedarf an Pflegepersonal als zum Beispiel in Krankenhäusern (s. Grafik).
Für die Einrichtungen bedeutet das: Auch der Recruiting-Prozess, insbesondere die Vorselektion von Bewerbungen, bindet immer mehr wertvolle Ressourcen, die eigentlich an anderer Stelle dringend benötigt werden. Viele Betriebe kennen das: Bewerber kontaktieren, erreichen, die Richtigen vorzuselektieren, Bewerbungsgespräche zu vereinbaren und an Termine zu erinnern.
Vom Text zur intelligenten Vorqualifizierung
Doch was wäre, wenn ein Großteil dieser Last durch Einsatz von so genannter Künstlicher Intelligenz (KI) abgenommen werden könnte? Was vor Kurzem noch wie Zukunftsmusik klang, wird heute bereits Realität und verspricht eine Entlastung von bis zu 90 Prozent im Recruiting. Denn KI ist längst kein bloßes Schlagwort mehr, sondern ein leistungsstarkes Werkzeug, das den gesamten Recruiting-Prozess verändern kann – von der Stellenausschreibung bis zur ersten Interaktion mit potenziellen Kandidaten.
Stellenausschreibung und Anzeigendesign
Schon bei der Erstellung von Stellenausschreibungen kann KI ihre Stärken ausspielen. Sie kann dabei helfen, aussagekräftige und ansprechende Texte zu generieren, die auf die spezifischen Anforderungen der Pflegebranche zugeschnitten sind. KI-gestützte Tools können Daten analysieren und identifizieren, Schlüsselwörter erzeugen, die die Sichtbarkeit der Anzeige erhöhen und die richtigen Kandidaten ansprechen.
Darüber hinaus kann KI auch bei der Optimierung des Designs von Stellenanzeigen unterstützen, um die Lesbarkeit und Attraktivität zu maximieren und die Bewerber emotional abzuholen.
Veröffentlichung und Reichweitenoptimierung
Einmal erstellt, sorgt KI für die intelligente Veröffentlichung der Stellenanzeigen. Sie kann automatisiert die relevantesten Jobportale, sozialen Medien und Berufsnetzwerke identifizieren, auf denen sich die Zielgruppe aufhält. Durch die Analyse von Nutzerdaten optimiert die KI gleichzeitig die Veröffentlichungsstrategie, um die Reichweite zu maximieren und Streuverluste zu minimieren. Das Ergebnis: Die Anzeige erreicht immer besser die Menschen, die gesucht werden, ohne erhöhten Aufwand.
KI als Vorqualifizierer im Bewerberdialog
Der wohl größte Transformation im aktuellen Recruiting-Trend ist die automatisierte Vorqualifizierung von Bewerbern und Bewerberinnen durch KI. Erste Testläufe zeigen, dass das klassische, zeitraubende „erste Kennenlern-Telefonat“ nach der Bewerbung entfallen kann. Stattdessen übernimmt die KI über Messenger-Dienste wie WhatsApp den initialen Dialog.
Wie funktioniert das in der Praxis? Die KI interagiert mit den Bewerbern in einem strukturierten, aber dennoch natürlichen Gespräch. Sie stellt gezielte Fragen zu Qualifikationen, Erfahrungen, Verfügbarkeit und Motivation. Auf Basis der Antworten gleicht die KI diese mit dem Anforderungsprofil der Stelle ab. So kann binnen weniger Minuten eine fundierte Vorselektion vorgenommen werden. Nur die vielversprechendsten Kandidaten und Kandiatinnen werden für ein persönliches Gespräch an die Personalabteilung weitergeleitet. Auch Vorstellungsgespräche können vereinbart und an diese erinnert werden. Dieser Prozess spart nicht nur viel Zeit, sondern sorgt auch für eine objektivere Bewertung und minimiert menschliche Vorurteile.
Die Zukunft des Recruitings in der Pflege
Die Vorteile von KI im Recruiting liegen auf der Hand: massive Zeitersparnis, höhere Effizienz und eine verbesserte Qualität der Bewerberauswahl. Für Pflegeunternehmen, die unter Fachkräftemangel leiden, bietet sich hier eine große Chance zur Entlastung der Verantwortlichen und Neuausrichtung des Recruiting-Prozesses.
Es kann entscheidend sein, dass sich Pflegebetriebe bereits jetzt mit diesem Thema auseinandersetzen. Die Einsätze in den letzten Monaten haben gezeigt, dass die Implementierung von KI-gestützten Lösungen eine Entlastung von bis zu 90 Prozent im Recruiting-Prozess bedeuten kann.
Systematisierung und Digitalisierung
Der Einsatz von KI ist jedoch nur ein Puzzlestück in einem größeren Zusammenhang. Um das volle Potenzial auszuschöpfen, sollten Pflegeunternehmen ihr gesamtes Recruiting systematisieren. Dazu gehören:
- Bewerbermanagement-Tools: Implementieren Sie moderne Softwarelösungen, die den gesamten Bewerbungsprozess digitalisieren und automatisieren – von der Erfassung der Bewerbungen bis zur Kommunikation mit den Kandidaten.
- Sichtbarkeit und Präsenz in sozialen Medien: Investieren Sie in eine starke Online-Präsenz. Nutzen Sie soziale Netzwerke nicht nur für Stellenanzeigen, sondern auch, um Ihre Arbeitgebermarke zu stärken und eine Community aufzubauen.
- Beratung und Implementierung: Lassen Sie sich von Experten und Expertinnen beraten, wie KI-Lösungen optimal in Ihre bestehenden Recruiting-Prozesse integriert werden können. Viele Anbieter haben bereits maßgeschneiderte Lösungen für die Gesundheits- und Pflegebranche entwickelt.
Die Zukunft des Recruitings ist digital und intelligent. Wer die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz frühzeitig erkennt und für sein Unternehmen nutzt, kann nicht nur den akuten Fachkräftemangel effektiver bekämpfen, sondern sich auch einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil im Kampf um die besten Pflegekräfte sichern.
GASTAUTOR dieses Beitrags ist Bastian Dörge, Gründer und Geschäftsführer der Talentsgroup Holding, zu der auch die Personalmarketing-Agentur Freshtalents gehört..
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